Europa hat von der Sklaverei enorm profitiert; bis heute ist das Ausmaß der Ausbeutung in der Öffentlichkeit unbekannt. Nach der ARTE-Filmpremiere sprechen das Regieduo Sarah Vianney und Martin Carazo mit Historikerin Rebekka von Mallinckrodt darüber, dass unsere Gesellschaften stärker am Sklavenhandel beteiligt waren als lange angenommen.
Die Sklaverei war eines der größten Verbrechen der Geschichte und zugleich ein globales Wirtschaftssystem, dessen Gewinne Europa nachhaltig geprägt haben. Doch wer profitierte wirklich alles davon? Und wie stark wirkt dieses Ausbeutungssystem bis heute nach? Die Dokumentation folgt den Geld- und Warenströmen des Sklavenhandels von Ghana über Barbados und Haiti bis nach London, Nantes und Berlin.
Neue Forschungen zeigen, wie weit die Verflechtungen reichten: Nicht nur Kaufleute und Plantagenbesitzer verdienten am Geschäft mit versklavten Menschen. Auch Banken, Versicherungen, Produzenten von Textilien, Metallwaren und Konsumgütern sowie Hunderttausende Händler, Kolonisten und Beschäftigte waren Teil eines Profitnetzes, das weite Teile Europas erfasste.
Der Film macht sichtbar, wie Vermögen aus der Sklaverei in Unternehmen und Institutionen fortwirkt, deren Ursprünge heute oft vergessen sind. Zugleich zeigt er, dass selbst Regionen fernab der Atlantikhäfen, – darunter auch deutsche Territorien – von der Nachfrage nach Waren für den Sklavenhandel profitierten.
In Frankreich versuchen Dieudonné Boutrin und Pierre Guillon de Princé die Vergangenheit aufzuarbeiten – der eine ist Nachfahre von Versklavten aus Martinique, der andere von Sklavenhändlern aus Nantes.
Historiker, Nachfahren von Versklavten und Nachkommen ehemaliger Profiteure fragen heute nach Verantwortung, Erinnerung und Gerechtigkeit. Während in Europa und der Karibik eine neue Debatte über Reparationen entstanden ist, macht der Film sichtbar, wie eng das verdrängte Erbe der Sklaverei mit der Gegenwart verbunden ist.
Im Anschluss an die Filmpremiere spricht Jean-Christoph Caron, Redaktionsleiter Zeitgeschichte beim ZDF, mit dem Regieduo Sarah Vianney und Martin Carazo sowie der Historikerin Rebekka von Mallinckrodt.
In Kooperation mit ARTE.
Gäste
Sarah Vianney ist eine in Wien und London lebende deutschsprachige Dokumentarfilmerin und Journalistin, die seit über zwanzig Jahren für internationale Sender wie ZDF, ARTE, ORF und Phoenix produziert und dabei mehrfach preisgekrönte Filme realisiert, darunter „Queens of Botswana“ und „Isle of Rum“. Als Black Filmmakerin bringt sie in vielen ihrer Arbeiten glaubwürdige Perspektiven auf marginalisierte Communities ein – sichtbar etwa in ihren Projekten über afrikanische Identitäten, postkoloniale Lebensrealitäten und Diaspora Erfahrungen.
Rebekka von Mallinckrodt ist Professorin für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Bremen, davor Juniorprofessorin für Neuere Geschichte mit dem Schwerpunkt Geschichte der Frühen Neuzeit an der Freien Universität Berlin. Sie ist führende Forscherin zu deutscher Kolonial- und Sklaverei-Geschichte.
Moderation
Jean-Christoph Caron ist Leiter Dokumentationen bei ZDF/ARTE. Nach dem Studium der Geschichte in Bielefeld, Lyon und Dublin arbeitete er als Autor und Redakteur u.a. für ARD, ZDF, ARTE, BBC und National Geographic. Stationen führten ihn zu Cinecentrum, ZDF Digital und phoenix. Er verantwortete über 60 Formate, u.a. Der große Crash (Journalistenpreis 2010) und Todesflug Pan Am 103 (Prix Europa 2014).
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Foto: Körber-Stiftung / Gruppe 5/Julian Balducci
Kursnummer:
421007
Datum:
24.11.2026
Kosten:
kostenlos
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